07.10.2016  Von   Matilda von Gierke

Wer überlegt Unternehmensberater zu werden, sollte das lesen!

Es ist bekannt, dass ein Unternehmensberater viel arbeitet, gut verdient und Powerpoint- und Excel bestens beherrschen muss. Doch wie sieht der tatsächliche Alltag in der Unternehmensberatung aus? Wir interviewen Max B., einen Unternehmensberater.

Max absolviert in 2013 seinen Bachelor of Financial Economics an einer Englischen Elite Universität. Seine top-notch Noten qualifizieren ihn für die Unternehmensberatung. Wir quetschen ihn aus und fragen, wie das Leben eines Beraters tatsächlich aussieht: 


Warum hast du dich für die Unternehmensberatung entschieden? 


Die Industrie, in der Max arbeiten wollte, stand fest: Während seines Bachelors hat sich das Fach 'Finance' als spannendes und zukunfträchtiges herauskristallisiert. Zudem war 2013, der Zeitpunkt seines Abschlusses, eine hochspannende Zeit. Eine Zeit, in der die Finanzkrise schwere Spuren im Finanzsektor hinterließ. Schon während seines Studiums hat er sich intensiv mit der Finanzkrise befasst. Das Thema ist "hot" und eins das viele Bereiche im Finanzwesen abdeckt. Ein Talent im Bereich Finance öffnet aber die Tür zu vielen Bereichen: Investment Banking, Asset Management, im Bereich Finanzregulierungen, im Corporate Finance, um nur einige zu nennen. Max war nicht klar, in welchem Bereich er sich sieht. Und genau das ist der Grund für seine Wahl der Unternehmensberatung. Er wollte Banken beim Bewältigen dieser Spuren helfen - bei sogenannten 'Clean-up' Prozessen, Restrukturierungen und beim Gewöhnen an die neuen Umstände. Neue und vorallem streng einzuhaltende Finanzregulierungen bedeuteten große Herausforderungen fürs Investment Banking, für Finanzmärkte und Privatkunden. Als Unternehmensberater hat er den Vorteil, dass er Banken hilft und gleichzeitig -anders als bei einem Endkunden- gefühlt unendlich über die verschiedenen Bereiche in unterschiedlichen Unternehmen lernt. Zu Max' Kunden gehören große Investmentbanks, Corporate- und Universalbanken, Asset Manager, Versicherungen und Privatbanken - eine große Bandbreite. Er lernt über deren Business Modelle, muss sich bei jedem Projekt neu in die Materie hereinfuchsen und kann sich nie auf nur eine Sache konzentrieren. Genau das ist es, was Max reizt und der Grund ist, wieso er nach wie vor als Unternehmensberater tätig ist. 


Wie hast du den Bewerbungsprozess bewältigt?


Auch nachdem die Entscheidung der Unternehmensberatung gefallen ist, stehen noch unzählige Arbeitgeber zur Auswahl. Auf seine typisch analytische Art rechnet Max aus, dass seine Chancen höher sind und das Risiko kleiner ist, wenn ich sich bei mehreren Unternehmen bewirbt. Beim Career-Fair seiner Universität erkundigt er sich nach Firmen, deren Angeboten und sucht den Austausch. Er bekommt ein Gefühl für Eckdaten wie eine realistische Gehaltsvorstellungen oder die zu erwartende Work-Life-Balance. Max recherchiert im Internet und bittet seine Universität, den Kontakt zu Partnerunternehmen herzustellen. Mit seinen Noten, kein Problem. 


Der Clue ist aber, dass jedes Anschreiben -oder wie er es formuliert, jeder Motivation Letter- genau auf die Stelle angepasst werden muss. Auf der Stellenausschreibung erwähnte Stichworte müssen im Lebenslauf stehen, das Anschreiben muss sitzen und überzeugen. Max spricht von Maßschneidern. Der Prozess ist höchst zeitintensiv, Abstriche dürfen aber nicht gemacht werden. Und das parallel zum finalen Universitätsjahr. Während sogar er Absagen erhält, wird sein Aufwand mit diversen Vorstellungsgesprächen belohnt. Selbst zu dieser schweren Zeit, zu der Banken und viele Finanzinstitute von Verunsicherung geplagt waren und die Auftragslage bei Unternehmensberatung entsprechend schlecht aussah, hat Uniabsolvent Max diverse Angebote auf dem Tisch. Am Ende entscheidet er sich für eine Unternehmensberatung mitten in London, in seiner präferierten Stadt. 


Wie sieht dein Alltag als Unternehmensberater aus? 


"Immer anders". Deswegen ist es auch seine Branche. Es hängt total davon ab, ob er gerade an einem Projekt arbeitet oder "on-the-beach" ist, ein Begriff unter Unternehmensberatern, der die projektlose Zeit beschreibt. Außerdem hängt es davon ab, ob er im Londoner Büro oder vor ort beim Kunden ist. Jeder Woche sieht anders aus. 


Max hat viele Kunden in London, erinnert aber beispielsweise auch an ein Projekt in Paris. Montag früh fliegt er los und landet am frühen Mittag in der französische Hauptstadt. Mit seinem Handgepäck Koffer fährt er -abhängig von Verkehrslage und Zeitdruck- entweder mit einem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln- direkt zu seinem Kunden. Er stellt eine Internetverbindung her und nimmt die vorab vereinbarten Meetings wahr. Die Zeit zwischendurch wird genutzt, um sogenannte "Deliverables" also To-Do's zu erledigen. Abends geht er mit dem Rest seines Projektteams essen, manchmal auch mit dem Kunden. Anschließend geht er samt Koffer ins Hotel, erledigt noch einige Aufgaben und geht schließlich schlafen um am nächsten Tag wieder Hunderprozent zu geben. 


Wem würdest du raten, sich für die Unternehmensberatung zu bewerben? 


Die Unternehmensberatung ist tough. Jeder der dort arbeitet, muss ebenso tough sein. Wichtige Fähigkeiten sind das schnelle Hereinfuchsen in neue Themen, ein analytisches, kreatives und problemorientiertes Denkvermögen, das Herunterbrechen von Problemen in kleine Einzelteile, aus denen To-Do's hergeleitet werden müssen. Max sagt, ein Unternehmensberater muss flexibel sein, out-of-the-box denken und Probleme identifizieren können. Nicht umsonst werden diese Fähigkeiten in Interviews ausführlich gestestet. 


Hand auf's Herz: Empfiehlst du die Unternehmensberatung? 


Nur denen, die die oben genannten Attribute mitbringen. Wer dem Druck nicht Standhalten kann, ohne dass die Qualität leidet, ist fehl am Platz. Wer sozial nicht mit Personen umgehen kann, wird scheitern. Wer seine Comfort Zone nicht verlässt, ist falsch. Wer ohne viel Schlaf nicht auskommt, geht unter. Wer sich aber nach einer steilen Lernkurve sehnt und hohe Verantwortung tragen möchte und kann, der ist in der Unternehmensberatung richtig aufgehoben. 


Ihr habt noch Fragen oder braucht Hilfe bei der Bewerbung in der Unternehmensberatung? Zalvus stellt den Kontakt zu Max her.  

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Matilda von Gierke