26.02.2020  Von   Svenja Witte

New Work // Aus Alt mach Neu

Das Internet ist aktuell voll von einem Thema, das uns nicht mehr loszulassen scheint: New Work. Doch was bedeutet dieses Buzzword eigentlich genau? Welche Chancen und welche Herausforderungen bietet die neue Arbeit und wie gehen wir damit um?

In unserer dreiteiligen Reihe zum Thema New Work möchten wir diesem Phänomen auf den Grund gehen. Um die Entstehung des New Work Ansatzes besser verstehen zu können, werfen wir zunächst einen Blick auf die Entwicklung der Arbeitswelt von der Steinzeit bis heute.


Ein Ausflug in die Geschichte der Arbeit

Von der Steinzeit bis ins Mittelalter


Arbeit gibt es bereits seit der Steinzeit. Menschen haben als Jäger und Sammler gearbeitet, um ihren Hunger zu stillen und das eigene Überleben zu sichern. Während die Bewohner des alten Ägyptens schon Lohn im Sinne von Tauschgeschäften erhielten, galt körperliche Arbeit in der Antike als etwas Unwürdiges. Dafür sollten nur Sklaven zuständig sein. Noch bis ins Mittelalter sah der Mensch (physische) Tätigkeit als Zwang und somit als etwas Negatives an.


Der Lohn im Fokus


In Europa erhielt die Arbeit erstmals durch Martin Luther den positiven Rang einer christlichen Tugend. Im Zuge der Französischen Revolution schaffte sie es sogar ins Gesetzbuch. Spätestens mit der Industrialisierung wurde dann klar: Die eigene Arbeitskraft lässt sich für Lohn verkaufen. Schon bald arbeitete keiner mehr für sich selbst oder das Wohl der Gesellschaft. Arbeit verwandelte sich in ein Mittel zum Zweck.


Technischer Fortschritt


Der technische Fortschritt des 20. Jahrhunderts versprach, die Erwerbsarbeit wieder zu reduzieren und Freizeit zu schaffen. Der dadurch angekurbelte Wettbewerb machte dieses Gedankengut jedoch schnell zunichte. Für Ausruhen war keine Zeit, denn viel zu leicht überholte einen die Konkurrenz mit der neuesten Innovation. Freizeit hingegen erregte schon lange kein Ansehen mehr. Im Gegenteil: Arbeitslosigkeit kam dem Status „sozial degradiert“ gleich. Diesem Statussymbol gerecht zu werden, etablierte sich somit als primäres Ziel.


Wie arbeiten wir heutzutage?


Unsere heutige Erwerbstätigkeit unterscheidet sich stark von der Arbeit vor 50 oder 150 Jahren. Wir arbeiten nach den verschiedensten Modellen und vermerken eine knapp doppelt so hohe Arbeitslosenquote [Stand: 30.01.2020] wie im Jahr 1974.


Weniger ist mehr: Vollzeit arbeiten ist out


Obwohl technologische Innovationen vielleicht nicht direkt mehr Freizeit geschaffen haben, arbeiten wir heute weniger als früher. Teilzeitmodelle werden zunehmend attraktiver, so bleibt uns mehr Zeit für andere Aktivitäten. Viele von uns starten auch erst später ins Berufsleben. Wir machen unser Abitur oder entscheiden uns sogar für ein Studium. Gleichzeitig leben wir länger und genießen mehr Zeit nach dem Ruhestand. Verglichen mit unserer Gesamtlebenszeit verbringen wir also mehr Jahre ohne Arbeit. Das zeigt auch unsere tatsächliche Wochenarbeitszeit. Diese ging über die Jahre deutlich zurück und liegt derzeit bei 34,9 Stunden (Voll- und Teilzeit zusammengerechnet).


Höheres Bildungsniveau in Deutschland


Bildung steht heute im Fokus. Das allgemeine Bildungsniveau in Deutschland ist über die Jahre klar angestiegen. Vergleichen wir die Geburtsjahrgänge 1945-1950 mit den Jahrgängen 1985-1990, so hat sich die Anzahl der Personen mit Hochschulreife mehr als verdoppelt. Infolgedessen begeben sich viele Menschen in Berufe mit geistiger Tätigkeit. Knapp die Hälfte aller Arbeiter in Deutschland verbringt mittlerweile ihren Alltag in einem Büro.


Entsprechend ist die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei in den vergangenen 30 Jahren gesunken. Stattdessen arbeiten heute drei von vier Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich.


Die moderne Berufswelt im Wandel

Aktuelle Herausforderungen


Die moderne Berufswelt befindet sich im ständigen Wandel. Arbeit grenzt sich dabei stark von ihrer historischen Bedeutung ab. Wir sichern nicht nur unsere Existenz, sondern verleihen unserem Leben mehr Sinnhaftigkeit. Durch höhere Bildung, Innovationen und die Digitalisierung eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Doch mit dieser Vielfalt gehen auch Herausforderungen einher. Wie gehen wir ganz in unserer Arbeit auf und finden Erfüllung mit gleichzeitig ausgewogener Work-Life-Balance? Wie können wir Digitalisierung und Automatisierung willkommen heißen, statt uns vor ihnen zu fürchten? Wie können wir die Globalisierung nutzen und gleichzeitig für soziale Gerechtigkeit sorgen? Wie können wir neue Technologien weiträumig einsetzen, ohne dabei menschliche Arbeit zu ersetzen? Wie können wir uns individuell weiterentwickeln und dabei einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten? Wie können wir uns optimal vernetzen und gemeinsam kreative Lösungen erarbeiten?


New Work als Antwort?


New Work ist ein Ansatz, der Antworten auf all diese Fragen zu finden versucht. Eine der größten Herausforderungen kommender Jahre wird es sein, die Arbeitswelt neu zu erfinden. New Work bietet hierfür die passenden Tools und Denkanstöße. Es vermittelt die zentralen Werte der Selbstständigkeit, Handlungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Teilhabe an der Gemeinschaft. Welche Möglichkeiten es gibt, die Herausforderungen von morgen (und heute) zu bewältigen und wie wir sie in die Praxis umsetzen können, erfahren Sie in den nächsten Teilen unserer New Work-Reihe.


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